a) Kennwortrichtlinie auf Minimum einstellen
b) Wie kann ich sichere Kennwörter gestalten und den Benutzern leicht vermitteln?

 
 
Kennwortrichtlinie auf Minimum einstellen
 
Genau genommen dürfte man das gar nicht als HowTo veröffentlichen, da ich selber wohl mit zu den größten Verfechtern von sicheren Kennwörter gehöre und jedem für gewöhnlich auf die Finger klopfe, der sich nicht daran halten mag, oder sogar auf die stumpfsinnige Idee kommt einen Benutzer beim Start des System automatisch anmelden zu lassen.
 
Privater Kommentar:
Du hast soeben deine EC Karte in den Automaten gesteckt, hast den PIN schon eingegeben und gehst jetzt noch mal Fluppen holen, ohne die Karte herauszunehmen.
 
Da aber die Frage in den diversen Newsgroups immer wieder auftaucht und ich nicht jedes Mal die Einstellungen raussuchen möchte mache ich mir also hier über diesen Weg ein bischen weniger Arbeit.

Doch bevor ich hier den Weg beschreibe, wie man sich ohne ein Kennwort durch das AD mogeln kann, möchte ich jedem folgenden Artikel ans Herz legen:

"Die Grundsatzdiskussion: Kennwort-Sätze oder Kennwörter"
http://www.microsoft.com/germany/technet/sicherheit/newsletter/kennwoerter.mspx

Jesper M. Johansson, Ph.D., ISSAP, CISSP Security Program Manager Microsoft Corporation
Schönen Dank an Barbara Joost, die diesen Artikel gefunden und in der NG gepostet hat.

Das Wichtigste vorweg:
Die einzige Stelle an der die Kennwortrichtlinie für ein Active Directory erstellt und verwaltet werden kann ist auf Domänen-Ebene, bevorzugt in der Default Domain Policy. Der SBS 2003 bietet hier ein gutes Beispiel, da er mit einer eigenen "Kennwortrichtlinie" daherkommt, die auf Domänen-Ebene verknüpft. ist.
Es ist auch die einzige Stelle ist, an der sie eine Auswirkung auf die Domänen-Benutzerkonten hat.
 
Jede an anderen Stelle konfigurierte Kennwortrichtlinie hat nur Auswirkungen auf die LOKALEN Benutzerkonten der betreffenden Computer in der OU, auf der diese Richtlinie wirkt.

Einziger Ausweg führt über Drittanbieter Software, z.B.:
http://www.gruppenrichtlinien.de/Software/6.Specops_Password_Policy.htm
http://www.gruppenrichtlinien.de/Software/7.Altus_Passfiltpro.htm
 

Das Konzept als solches:
1. Kennwortrichtlinien sind Computerkonfigurationen und werden auch nur von Computerobjekten gelesen. Benutzer wissen nichts damit anzufangen.
2. Kennwortrichtlinien im AD können nur auf Domänenebene für Domänenbentzer erstellt werden und nicht "pro Computer"
3. Kennwortrichtlinien "pro Computer" gelten nur für die lokalen Benutzerkonten eines Computers, aber nicht für die sich anmeldenden Benutzer des ADs, denn diese werden ja weiterhin vom AD verwalten und damit letztlich einem DC und nicht von dem Computer an dem man gerade sitzt.

 
Eine weitere wichtige Information:
„Nicht konfiguriert“ zeigt nicht den gewünschten Effekt. Soll heissen, wenn man einige Einstellungen der Kennwortrichtlinien auf „Nicht konfiguriert“ stellt, so hat es nicht den gewünschten Effekt, dass eine der Einstellungen damit unwirksam werden.
Denn: „Nicht konfiguriert“ bedeutet letztlich nichts anderes, als dass die aktuelle Einstellung (die schon durch das Erstellen des AD´s mit den Default Sicherheitsrichtlinien gesetzt wurde) „Nicht konfiguriert“ wird. Also es so bleibt, wie es schon eingestellt war und somit weiterhin ist.
 
Man muss die betreffende Einstellung auf „Deaktiviert“ oder auf „0“ setzen. Erst dann ist es möglich eine minimale Sicherheit einzurichten und z.B.: mit leeren Passwörtern zu arbeiten.
 
 
 
Was muss ich also „wie“ konfigurieren um ein leeres Kennwort bei einem Windows 2003 AD zuzulassen?
 
Tip: Nach Konfiguration 5 Minuten warten (Standard Anwendungsinterval der Richtlinien auf einem DomänenController) oder die Richtlinie per gpupdate (Windows 2003), bzw. secedit (Windows 2000) erzwingen
 

Kennwort muss Komplexitätsvorraussetzungen entsprechen

Wurde diese Richtlinie aktiviert, müssen Kennwörter die folgenden Mindestvoraussetzungen erfüllen:
 
- Sie dürfen weder einen Teil noch den vollständigen Kontonamen des jeweiligen Benutzers enthalten.
- Sie müssen mindestens sechs Zeichen lang sein.
- Sie müssen Zeichen aus drei der vier folgenden Kategorien enthalten:
- Großbuchstaben von A bis Z
- Kleinbuchstaben von A bis Z
- Ziffern der Basis 10 (0 bis 9)
- Nicht-Alphanumerische Zeichen (z. B. !, $, #, %)
 
Die Einhaltung der Komplexitätsvoraussetzungen wird bei der Erstellung oder Änderung von Kennwörtern erzwungen.
 

Deaktiviert
Minimale Kennwortlänge
 
Legt die Mindestanzahl der Zeichen fest, die ein Kennwort für ein Benutzerkonto enthalten muss. Sie können einen Wert zwischen 1 und 14 Zeichen festlegen oder angeben, dass kein Kennwort erforderlich ist, indem Sie für die Anzahl der Zeichen den Wert 0 festlegen.
 
0

Das wären die beiden Minimalanforderungen für die Umsetzung. Da man aber schon auf ein Minimum an Sicherheit setzt, sollte man die weiteren Einstellungen auch noch vornehmen, da sie bei einem leeren Passwort überhaupt keinen Sinn ergeben.
 
Kennwortchronik erzwingen
 
Legt die Anzahl eindeutiger neuer Kennwörter fest, die vor der erneuten Verwendung eines alten Kenntwortes einem Benutzerkonto zugeordnet werden müssen. Dieser Wert muss zwischen 0 und 24 liegen.
Damit die Wirksamkeit der Kennwortchronik gewährleistet ist, sollten Sie bei der Konfiguration der Option Minimales Kennwortalter das sofortige Ändern von Kennwörtern nicht zulassen.
 
0
Maximales Kennwortalter
 
Legt fest, wie lange (in Tagen) ein Kennwort unverändert verwendet werden darf. Für das Ablaufen von Kennwörtern können Sie einen Zeitraum von 1 bis 999 Tagen festlegen. Sollen Kennwörter nie ablaufen, wird für die Anzahl der Tage der Wert 0 festgelegt.
 
0
Minimales Kennwortalter

Legt fest, wie lange (in Tagen) ein Kennwort verwendet werden muss, bevor es vom Benutzer geändert werden kann. Sie können einen Wert zwischen 1 und 999 Tagen festlegen. Wollen Sie sofortige Änderungen zulassen, wird für die Anzahl der Tage der Wert 0 festgelegt.

Der Wert für das minimale Kennwortalter muss kleiner als der unter Maximales Kennwortalter festgelegte Wert sein.
 
Soll die Option Kennwortchronik erzwingen wirksam sein, müssen Sie für das minimale Kennwortalter einen Wert größer als 0 festlegen.
 
0

Ich hoffe der Artikel ist genügend mit Sarkasmuss und ein wenig Ironie versehen, sodass hier jeder für sich entscheiden kann, ob es nicht doch Sinn macht mit etwas mehr Sicherheit zu arbeiten.
 
 
 
Wie kann ich sichere Kennwörter gestalten und den Benutzern leicht vermitteln?
 
Da ich hier jetzt aber schon die großen Reden Schwinge, komme ich am Ende des Artikels nicht drumherum, ein wenig Hilfe zu bieten, wie man den Benutzern mit einfachen Mittel ein sicheres Kennwort so angenehm wie möglich macht.
 
Schauen wir uns die Komplexitätsregeln noch einmal an:
- Sie dürfen weder einen Teil noch den vollständigen Kontonamen des jeweiligen Benutzers enthalten.
- Sie müssen mindestens sechs Zeichen lang sein.
- Sie müssen Zeichen aus drei der vier folgenden Kategorien enthalten:
- Großbuchstaben von A bis Z
- Kleinbuchstaben von A bis Z
- Ziffern der Basis 10 (0 bis 9)
- Nicht-Alphanumerische Zeichen (z. B. !, $, #, %)
 
Das ist ein guter Ansatz, aber wie sehen solche Kennwörter dann aus?
Beispiele:  12$%aS    34%&ert    Qwert!2    12QW§$    ?=98Po
 
Das wird passieren, wenn sie die User direkt auf die Thematik loslassen werden. Jeder der User wird sich beschweren, denn Sinn nicht verstehen und mit dem Argument kommen: „Das versteht ja keiner und kann sich keiner merken“
 
Das Resultat sind Passwörter wie oben [1] oder sie finden die berühmten Zettel unter der Tastatur, am Schreibtisch oder gar als PostIT am Monitor. [2]
 
Letztlich wäre jetzt keinem geholfen.
 
[1] Tippen sie die Beispiel Passwörter mal ab. So sicher sind die gar nicht ...
[2] Allgemein eine gute Quelle für die Passwörter. Wenn sie jetzt noch den Namen der Frau/Freundin, Mann/Freund, der Kinder, des Dackels, das Geburtdatum, Hochzeitstag, Namen der Jahreszeiten, „geheim“, „passwort“ und die anderen üblichen Verdächtigen hinzunehmen, benötigt man idR höchsten 10 Anläufe um ein Passwort eines Benutzers zu erraten.
 
Was also ist zu tun?
- Aufklärung der Mitarbeiter über Sinn und Zweck.
- Der Hinweis, dass weder am Telefon noch sonst wo sie jemals nach dem Passwort fragen wird.
  Ein Administrator der danach fragen muss ist keiner, denn er könnte es als Administrator zurücksetzen
  und braucht sie nicht fragen
- Kleine Hilfe zum Erstellen von sicheren Kennwörtern bieten
 
Nehmen sie von einem Satz die Anfangsbuchstaben und kombinieren sie dort mit Zahlen und/oder Zahlen anstelle von Buchstaben. Liedertexte, Refrains, Gedichte usw. eignen sich prima dazu, denn diese muss man sich oftmals nicht merken, denn man kennt sie ja schon ;-)

 

Ein paar Beispiele, Wort/Satz So könnte das Passwort aussehen
Achtung 8tung!
Fest gemauert in der Erden FgidE
Himmel, Hilf! Him,Hi!
Buchstaben zu Zahlen: aus „E“ wird „3“
aus „H“ wird „4“
aus „I“ wird „1“ oder „!“
aus „Z“ wird „7“
beliebig weiterzuführen, wenn die Optik für jemanden passt.
 
11 Freunde sollt ihr sein !IFsis

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